Eidgenössisches Schützenfest Chur

Eidgenössisches Schützenfest Chur/Graubünden – Wenn Schützen, Hitze, Bier und gute Laune zusammentreffen
Mit insgesamt 29 Schützinnen und Schützen, darunter 10 Jungschützen, sowie 4 Begleitpersonen machte sich unser Verein auf den Weg ans Eidgenössische Schützenfest nach Graubünden.
Der Wecker hatte an diesem Samstagmorgen definitiv kein Erbarmen: Bereits um 04.20 Uhr startete unsere Carreise auf dem Breitenstein. Nach einer speditiven Waffenkontrolle in Chur ging es, mit einer plötzlich schlecht schliessenden Cartüre, weiter zum Schiessstand Rheinau in Thusis. Walter konnte das Türproblem in Thusis zum Glück selbst lösen und seine Energie auch dem Schützenfest widmen. Während sich die Schützinnen und Schützen bei bereits am Morgen hochsommerlichen Temperaturen den verschiedenen Stichen widmeten, genossen die Begleitpersonen eine abwechslungsreiche Stadtführung durch Chur. Der Stadtführer verstand es bestens, die älteste Stadt der Schweiz mit viel Humor, spannenden Geschichten und interessanten Anekdoten näherzubringen.
Die Schiessresultate fielen insgesamt etwas durchzogen aus. Ob die ungewohnte Hitze, das frühe Aufstehen oder eine Mischung aus beidem schuld daran war, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Ganz so schlecht lief es dann aber doch nicht: Die meisten konnten sich über diverse Kranzresultate erfreuen und unsere Jungschützen überraschten teilweise mit ausgezeichneten Leistungen. Der Schützennachwuchs braucht sich also keineswegs zu verstecken.
Nach dem Schiessen war Abkühlung angesagt. Direkt neben dem Schiessstand bot der Hinterrhein die perfekte Gelegenheit für ein erfrischendes Kneippbad. Das Wasser, das aus der Viamala-Schlucht Richtung Bodensee fliesst, hatte Temperaturen, die wohl jedem Kühlschrank Konkurrenz machten. Wer den Mut hatte, die Füsse hineinzuhalten, wurde mit neuer Energie für den weiteren Tagesverlauf belohnt.
Im Festzentrum in Chur wartete bereits die nächste Abkühlung: Auf dem Fussweg sorgte eine Nebeldusche für strahlende Gesichter und eine willkommene Erfrischung. Weniger kühl präsentierte sich allerdings die «Eishalle», in der die Abrechnung vorgenommen wurde. Ihrem Namen machte sie an diesem Tag jedenfalls keine Ehre. Deshalb zog es uns schon bald wieder nach draussen, wo ein leichter Wind und das eine oder andere kühle Getränk deutlich angenehmere Bedingungen boten. Die ebenfalls auf dem Gelände der Oberen Au sich befindende Kneippanlage Mühlbach, wurde rege genutzt und trug ihren Teil zu einem gelungenen Nachmittag bei.
Mit Kränzen und Naturalpreisen im Gepäck führte unsere Reise am Abend weiter nach Splügen ins Hotel Speluca mit seiner hauseigenen Bierbrauerei. Nach einer interessanten Führung durch die Brauerei durfte das Bier selbstverständlich auch degustiert werden – schliesslich wollte man sich von der Qualität persönlich überzeugen. Anschliessend genossen wir ein ausgezeichnetes Nachtessen mit Speluca-Salat, halbem Brathähnchen mit hausgemachten Pommes und einem feinen Dessert.
Für das unbestrittene Highlight des Abends sorgte allerdings nicht das Essen, sondern eine ungeplante «Bierdusche». Beim Servieren verlor eine Servicekraft im vollen Elan die Kontrolle über ein ganzes Tablett mit Bier und leerte es über Ruedi und seine unmittelbaren Tischnachbarn aus. Die Überraschung war gross, die Abkühlung ebenso. Nach einem kurzen Tenüwechsel – dank eines spontan zur Verfügung gestellten Merino-T-Shirts aus der Speluca-Kollektion – überwog jedoch schnell der Humor. Das Personal reagierte äusserst professionell und mit viel Charme. Aus einem kleinen Missgeschick wurde eine Geschichte, die an künftigen Vereinsanlässen wohl noch einige Male erzählt werden dürfte.
Dass wir in Splügen übernachteten, erwies sich gleich doppelt als gute Entscheidung. Auf rund 1'500 Metern über Meer waren die Temperaturen angenehm frisch, sodass endlich wieder einmal richtig ausgeschlafen werden konnte. Nach einem reichhaltigen Frühstück im wunderschönen Frühstückssaal blieb sogar noch Zeit für einen kleinen Einkauf im hoteleigenen Lädeli, bevor wir unsere Reise fortsetzten.
Das nächste Ziel war die eindrückliche Festung Crestawald bei Sufers. Die beiden Gruppenführer Mario und Hanspeter verstanden es hervorragend, die Geschichte und Technik der ehemaligen Festungsanlage spannend und kurzweilig zu vermitteln. Selbst diejenigen, die Militärgeschichte sonst eher mit trockenen Geschichtsbüchern verbinden, hörten aufmerksam zu.
Die Festung wurde gebaut, um die strategisch wichtige Nord-Süd-Verbindung über den San-Bernardino- und den Splügenpass zu sichern. Ihre Aufgabe war es, einen möglichen Vormarsch – insbesondere aus dem damaligen faschistischen Italien – zu verhindern und die Infanterie wirkungsvoll zu unterstützen. Herzstück der Anlage waren die beiden 10,5-cm-Kanonen mit den klingenden Decknamen «Lukrezia» und «Silvia». Mit einer Reichweite von bis zu 23 Kilometern konnten sie die umliegenden Passübergänge wirkungsvoll unter Feuer nehmen, ohne selbst direkt gefährdet zu sein. Ein Besuch dieser eindrücklichen Anlage ist auf jeden Fall sehr empfehlenswert.
Nach einem feinen Mittagessen mit Salat sowie Gehacktem mit Hörnli und Apfelmus hiess es Abschied nehmen vom sympathischen Team der Festung Crestawald.
Ein letzter Zwischenhalt führte uns nach Maienfeld auf das Weingut Eichengut, wo ein grosszügiger Apéro auf uns wartete. Petrus hatte allerdings andere Pläne: Ein rasch heranziehendes Gewitter zwang uns zu einem etwas überstürzten Aufbruch. Bevor wir jedoch in den Car flüchteten, verabschiedete sich eine kräftige Windböe noch von einigen – glücklicherweise leeren – Weingläsern auf den Tischen. Scherben bringen bekanntlich Glück und tatsächlich verlief die Heimreise zum Breitenstein anschliessend völlig problemlos. Bereits um 19.10 Uhr wurden wir dort von zahlreichen Eltern herzlich empfangen.
Das nächste Eidgenössische Schützenfest findet im Jahr 2031 statt. Bis dahin werden wir uns wieder an den verschiedenen Kantonalschützenfesten messen – hoffentlich bei etwas angenehmeren Temperaturen und vielleicht mit etwas weniger Bier von oben.
Zum Schluss gilt ein herzlicher Dank dem Vorstand für die ausgezeichnete Organisation dieser rundum gelungenen Reise. Ebenso bedanken wir uns bei Walter Marti von Marti Reisen, Weinfelden, der uns sicher, zuverlässig und mit viel Geduld durch das heisse Wochenende chauffierte.
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